Französische Praktikantin bei Craemer
Nur zwei Dinge sind es, die die junge Französin Audrey Wolniak aus Firminy (einem Nachbarort von Le Chambon-Feugerolles), die derzeit ein neunwöchiges Praktikum bei Craemer absolviert, an Ostwestfalen ein wenig stören: „Es ist ein bisschen kalt hier“ und „Ich mag kein Kraut“. Abgesehen davon ist die 25-Jährige mit ihrem Arbeitgeber,der Gastfamilie und ihrem Aufenthalt rundum zufrieden.
Erste Bekanntschaft mit Herzebrock-Clarholz hat Audrey Wolniak, deren Vorfahren aus Polen stammen, vor elf Jahren gemacht. „Da habe ich bei einem Schüleraustausch mitgemacht“, berichtet sie. Vor zwei Jahren kam sie als Betreuerin wieder und vor einem Jahr erneut, damals bereits rein privat.
Wirtschaft und Recht hat Audrey Wolniak an der Universität in St. Etienne studiert und dann noch eine Ausbildung zur Import-Export-Assistentin in Lyon angeschlossen. Da bot sich ein Praktikum im Ausland an. „Vor allem in Deutschland“, findet Audrey,denn die Ausbildung ist mit Französisch und Englisch zwar bilingual, „aber Deutsch hatte ich nur acht Jahre lang in der Schule. Sonst habe ich die Sprache nicht viel gesprochen“. Beim Praktikum bei Craemer ist das kein Hinderungsgrund. Bislang war Audrey Wolniak in der Export-Abteilung tätig. Dort kommt die Praktikantin auch mit mit Englisch weiter, wenn es mit den Deutsch-Kenntnissen hapert.
Der Kontakt zu Craemer entstand über den Vorsitzenden des Vereins für Städtepartnerschaften, Hans-Volker Jünke. Der erinnert sich, dass es im Rahmen der Partnerschaft mit der französischen Stadt Le Chambon-Feugerolles erst drei Praktikanten gegeben hat. Außerdem sei das Interesse der Franzosen, in Herzebrock-Clarholz ein Praktikum zu absolvieren, durchweg größer gewesen als umgekehrt. Zuletzt habe eine Französin im Jahr 2004 in einem Kindergarten gearbeitet.
Das letzte Praktikum eines Franzosen bei Craemer liegt sogar schon 15 Jahre zurück. „Diese Zeitabstände sollten kürzer werden“, findet Bernd Brockhagen, kaufmännischer Geschäftsführer der Paul Craemer GmbH. Er verweist unter anderem auf die Exportquote des Unternehmens, die mittlerweile bei 50 Prozent liegt, und ergänzt: „Über die Grenzen hinweg zu denken, ist gerade für junge Menschen viel wichtiger geworden.“
Audrey Wolniak bleibt noch bis zum 12. Juni in Herzebrock-Clarholz. Für die Zeit danach freut sie sich wieder auf das warme Frankreich und ein Essen ohne Kraut.
Hinweis: Veröffentlichung vom 04. Juni 2009 in der Tageszeitung
"Die Glocke", verfaßt durch Redaktionsmitglied Bettina Reinhardt





