Herbstkonzert des Craemer Chores
Herzebrock-Clarholz. „Meine Herren, Ihnen allen ein ganz großes Kompliment“ zeigte sich Achim Brandenburg als Schirmherr des Craemer Chores nach lang anhaltendem Applaus stolz über die Leistung der Sänger, die am Sonntag Nachmittag im Craemer Gemeinschaftshaus ein Herbstkonzert unter der Gesamtleitung von Norbert Henzl bestritten. Unterstützt wurden sie dabei durch Jens Hölscher und Manfred Neumann am Flügel, das Nordwestdeutsche Hornquartett sowie den Tenorsolisten Volker Bengl. Die Konzertkarten waren zuletzt hoch begehrt und so konnte Chorsprecher Josef Wöstmann über 300 Musikfreunde aus nah und fern im voll besetzten Saal begrüßen. Darunter zahlreiche Vertreter der politischen und kirchlichen Gemeinde, befreundeter Chöre aus Herzebrock, Clarholz und Umgebung. Für gut zwei Stunden konzipiert, verlangte das Konzert ein hohes Maß an Konzentration, Disziplin und Ausdauer von den Sängern. Dass sie dem gerecht wurden, zeigten sie durch saubere Intonation, passend kraftvolle oder sanfte Modulation und eine Gesamtpräsentation als homogener, in allen Stimmlagen ausgewogener Klangkörper mit spürbar werdender Freude am Gesang. Josef Wöstmann führte sicher durch das Programm, das sich im ersten Teil um die Themen Musik als Trostspenderin, Wald, Wandern, Jagd drehte und im zweiten Teil um Lebensfreude, Tanz, Wein und Liebe. Entsprechende deutsche Kunst- und Volkslieder sowie Stücke aus Oper und Operette hatte Chorleiter Norbert Henzl in Absprache mit dem Chor, dem Solisten und dem Hornquartett ausgewählt und intensiv mit dem Chor einstudiert. Kaori Shinohara, Iris Cremona, Björn Andresen und Willibert Steffens, Mitglieder des Nordwestdeutschen Hornquartetts, sorgten mit „Alla Marcia“ für den schwungvollen Auftakt des Konzertnachmittages und begleiteten den Chor bei dem folgenden Beitrag „Trösterin Musik“ von Anton Bruckner. Ernst und andächtig interpretierte Volker Bengl anschließend „Leise flehen meine Lieder“ und im Wechsel mit dem Chor „Im Abendrot“ von Franz Schubert. „Durch die Wälder, durch die Auen“ führte der Tenorsolist mit der Arie des Max aus „Der Freischütz“ von Carl-Maria von Weber, wobei er mit wenigen Gesten das gesungene Wort anschaulich machte. Mit seiner kraftvollen Tenorstimme und der Begabung, das Publikum zunehmend in seinen Bann zu ziehen, eröffnete Volker Bengl von hinten in den Saal schreitend den zweiten Programmteil mit „Freunde, das Leben ist lebenswert!“ von Franz Lehar. Als Solisten des Craemer Chores harmonierten Reinhard Nickel, Tenor, und Josef Wöstmann, Bassbariton, mit ihren ausgebildeten Stimmen unter anderem bei „Nimm die Stunden, wie sie kommen“ von Dieter Rasch. Mit den „Wiener Tänzen“ von Anton Wunder zeigten die Hornisten eine zusätzliche Facette ihrer Möglichkeiten. Die volle Klangfülle ihrer um ein Alphorn ergänzten Instrumente konnten einige Gäste später noch im Freien hören. Dass das Programm am Ende um etliche Beiträge verlängert wurde, lag an der hervorragenden Stimmung, die im Lauf des Nachmittags zwischen dem Chor, den Instrumentalisten und vor allem dem Solisten Volker Bengl und dem Publikum entstand. Nach dem gemeinsam gesungenen „Ade zur guten Nacht“ klang das Konzert endgültig aus mit der Hoffnung auf eine Fortsetzung.
Der Craemer Chor und der Startenor Volker Bengl
„Wenn es Ihnen nur halb so gut gefallen hat wie mir, dann war das Herbstkonzert des Craemer Chores ein großer Erfolg“ , würdigte der bekannte Startenor Volker Bengl am Sonntag Abend alle beteiligten Sänger und Musiker im mit über 300 Personen voll besetzten Gemeinschaftshaus der Paul Craemer GmbH. An die 45 Sänger zählt der 1991 von Hans-Joachim Brandenburg (+2006) gegründete Werkchor, der sich vom Lehrlings- bis zum Rentenalter aus aktiven und ehemaligen Mitarbeitern aller Betriebsbereiche bis zur Geschäftsführung zusammensetzt, so Chorsprecher Josef Wöstmann. Schirmherr und Gesellschafter Achim Brandenburg zog vor der Leistung des Chorleiters Norbert Henzl „hochachtungsvoll den Hut“, dem es im Lauf der Jahre gelungen ist, einen homogenen Klangkörper zu formen, dessen Repertoire vom klassischen Volkslied über Oper und Operette bis zum Musical reicht. Dazu wird regelmäßig einmal pro Woche geprobt, vor Konzerten intensiver, so Norbert Henzl. Der Craemer Chor zählt zur Firmenkultur bei betrieblichen Anlässen und hat sich mit regelmäßigen öffentlichen Konzerten zur „großartigen Visitenkarte“ entwickelt, zeigte sich Achim Brandenburg stolz auch über die lebendige Chorgemeinschaft. Den Kontakt zu Volker Bengl hat Hans-Joachim Brandenburg geknüpft und erstmals im Jahr 2000 für ein gemeinsames Konzert mit dem Craemer Chor gewonnen. Nach 2003 ging am Sonntag der Wunsch des Chores in Erfüllung und man stand zum dritten Mal gemeinsam auf der Bühne. Dabei erfolgte die Zusage des national und international gefragten Tenors laut Achim Brandenburg spontan. „Mir ist hier ein so außergewöhnlich herzlicher Menschenschlag begegnet, mit offensichtlicher Freude am Singen, dass ich gern wieder gekommen bin“, unterstrich Volker Bengl im Gespräch. Nach Festengagements am Staatstheater Saarbrücken und von 1991 bis 2007 am Staatstheater am Gärtnerplatz in München sei er seitdem als freier Künstler keinen kreativen Einschränkungen unterworfen und könne die Bandbreite seiner musikalischen Fähigkeiten auf der Bühne (Oper, Operette), bei Konzerten und Liederabenden, Funk und Fernsehen sowie der Einspielung von Tonträgen ausleben. Die aktuellen Terminplanungen reichen bis ins Jahr 2012. Seine besondere Liebe gilt dem Deutschen Kunstlied, besonders Franz Schubert: „Das sind musikalisch umgesetzte gute Worte und Gedanken mit Tiefgang, die verbreitet werden sollten“, sieht er sich durchaus mit missionarischer Verpflichtung auch als Liebhaber des klassischen Volksliedes. Beim Herbstkonzert des Craemer Chores begleitete ihn der Pianist und Chorleiter Manfred Neumann. Der Craemer Chor ist der einzige Werkchor, mit dem Volker Bengl bislang zusammengearbeitet hat. Gemeinsam geprobt wurde minimal: „Das muss laufen“, denn obwohl ein Laienchor, arbeite der Craemer Chor professionell, so dass man sich nicht auf eine „Fahrt ins Blaue“ einlasse, zeigte sich Volker Bengl vor dem Konzert sicher und sollte mit dieser Einschätzung richtig liegen.
(Text verfasst von Judith Ahlke)






